Institut für Deutsch als Fremdsprache
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Sprachumschaltung

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Am 3. Mai feiern wir das 40-jährige Bestehen des Instituts

11.01.2019

Symposium 1: Sprachlose Wissenschaft – Wissenschaft ohne Sprachen?

Thomas Borgard/Jörg Roche
10:00 - ca. 12:00 Uhr, Senatssaal

Sprachlose Wissenschaft – Wissenschaft ohne Sprachen? Zur Rückgewinnung von Internationalität und kognitiver Vielfalt in Lehre und Forschung

Vielsprachigkeit Europas, individuelle Mehrsprachigkeit als weltweiter Regelfall und die extrem verschiedenen Äußerungsformen der Sprache von den Repliken des Alltagsdialogs, der Kulturkommunikation in Wissenschaft und Politik bis hin zur Singularität eines Gedichts gehören laut Harald Weinrich zu den wichtigsten Bezugspunkten des Faches DaF. Besondere Bedeutung misst er dabei der „Sprachkultur“ zu in Auseinandersetzung mit Snows Rede von den ‚zwei Kulturen‘: einer geisteswissenschaftlich-literarischen und einer naturwissenschaftlich-technischen.

Naturwissenschaft und Technik streben nach der Erkenntnis und Beherrschung von Sachen und Dingen. Im Zuge des linearen Innovationsmodells von Wissenschaft setzt sich, einhergehend mit dem globalen Englisch, ein reduktionistischer Denkstil durch. Er macht Sprache tendenziell unsichtbar. Progressive Bekenntnisse zur Vielfalt bleiben dabei kulturell farblos und inhaltlich unverbindlich.

Zu ihren lokalen und weltweiten Kontextbedingungen verhalten sich fremdsprachenphilologische Institutionen erstaunlicherweise oft ausweichend bis ambivalent. Sie scheinen in einer Paradoxie gefangen, wenn sie in ihren Selbstkommentaren die kognitiven, ethischen und sozialen Vorteile sprachkultureller Diversität betonen, indes das mutmaßlich entscheidende Sprachwissen im Hörsaal in anglifizierten (ökonomisierten) diskursiven Domänen vermittelt wird.

Vor diesem Hintergrund identifizieren wir vorläufig vier zentrale Fragen mit Blick auf die Zukunft des Faches DaF:

  1. Wie sollte sich das Fach zu den Prämissen eines vorwiegend von ökonomischen Interessen getriebenen Modells von Wissen und Wissenschaft verhalten sowie zu ihren Normierungen durch Industrie, Politik, Bildungsagenturen sowie den internationalen Wissenschaftsapparat?
  2. Wenn das Unterfangen Fremdsprachenphilologie eine kognitive Doppeltätigkeit bedeutet, nämlich das „stetige Naherücken des Fernen wie ein stetiges Fernerücken des Nahen“, verfügt das Fach DaF bislang über adäquate wissenschaftliche und curriculäre Kapazitäten, um das anspruchsvolle Ziel einer „transdifferenten“ Lehr- und Lernpraxis zu verwirklichen?
  3. Wie können Sprach- und Literaturwissenschaft künftig produktive Arbeitsbeziehungen eingehen, da beide Fächer von Anfang an das Selbstverständnis des Münchner Instituts prägen, ohne dass das eine oder andere einen Bereich der Sprache ganz für sich beanspruchen kann?
  4. Wie reagiert das Fach DaF auf den grundlegenden Wandel der Bedürfnisse und Voraussetzungen des Sprachlehrens/-lernens infolge der auf linguistischen Erkenntnissen aufbauenden, aber in sich alinguistischen Informatik, nicht zuletzt: die kommerzielle Verfügbarkeit von KI-Übersetzungsmaschinen? Wird individuelle Mehrsprachigkeit obsolet?

Sprecher:
Till Dembeck (Luxembourg)
David Kaldewey (Bonn)
Cordula Neis (Flensburg)
Brigitte Rath (Innsbruck)
Alexander Ziem (Düsseldorf)

Eine ausführliche Beschreibung finden Sie hier.

 

Symposium 2: Zukunftsperspektiven der Mehrsprachigkeitsforschung

Claudia Riehl
13:30 - 15:30 Uhr, Senatssaal

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung der Mehrsprachigkeit und neuer zentraler Erkenntnisse der Mehrsprachigkeitsforschung ergeben sich auch für das Fach DaF eine Reihe von neuen Perspektiven: Sowohl in Unterricht als auch Forschung sollte der Aspekt des plurilingualen Menschen in den Vordergrund rücken. Unterschiedliche Erwerbsabläufe und -strategien stehen hier ebenso im Mittelpunkt wie der gesteuerte Erwerb in Institutionen. Dabei spielt vor allem der Erwerb von Mehrschriftlichkeit eine bedeutende Rolle.

Im Workshop wollen wir drei Bereiche besonders diskutieren:

  1.  Die Rolle der Mehrsprachigkeit in der Migrationsgesellschaft

    Hier sollen Perspektiven eruiert werden, in welche Richtung sich Curricula entwickeln sollen, um nachhaltige sprachliche Bildung im Kontext der Diversität zu erzielen, in welchen Bereichen besonderer Forschungsbedarf besteht, um Grundlagen für die Bildungspraxis zu erarbeiten, und welchen Stellenwert Mehrsprachigkeitskonzepte im schulischen Alltag haben sollten. Darüber hinaus werden Perspektiven zum Umgang mit Mehrsprachigkeit über den schulischen Kontext hinaus und im Zusammenhang mit lebenslangem Lernen diskutiert.
  2. Mehrsprachen-Lernen und Mehrsprachigkeitsdidaktik

    Dieser Aspekt fokussiertdie Möglichkeit der Übertragung von Sprachkompetenzen, etwa von Herkunftssprachen auf das Erlernen weiterer Sprachen, besonders im Hinblick auf den Erwerb des Deutschen. Daneben werden Faktoren wie Sprachbewusstheit und Sprachlerneignung und ihre Auswirkungen auf das mehrsprachige Lernen diskutiert. In diesem Zusammenhang wird auch auf Chancen und Grenzen der Mehrsprachigkeitsdidaktik eingegangen.
  3. Mehrsprachigkeit als historisches Erbe

    Das Thema Mehrsprachigkeit spielt auch eine zentrale Rolle im Hinblick auf das Deutsche im Ausland, hier besonders im Hinblick auf die zahlreichen Sprachminderheiten des Deutschen. Bis auf wenige Ausnahmen lernen diese nicht mehr Deutsch als Muttersprache, sondern Deutsch als Fremdsprache. Dennoch spielt die deutsche Sprache als Sprache der Großeltern und als kulturelles Erbe für die Identitätsbildung der jungen Menschen oft eine wichtige Rolle, so dass hier mit einer ganz anderen Motivation zu rechnen ist. Die Förderung der deutschsprachigen Minderheiten im Ausland vor dem Hintergrund der Mehrsprachigkeitsperspektive soll daher ein zentrales Anliegen des Faches DaF bilden.

Für die jeweiligen Bereiche sollen besonders die Forschungsbedarfe, Handlungsperspektiven und Auswirkungen auf Curricula des Faches Deutsch als Fremdsprache diskutiert werden. Weiter sollen die Konsequenzen für die Bildungs- und Kulturpolitik dargelegt werden.

Ablauf:

Impulsreferat zu den Themenbereichen (je ca. 10 Minuten)

Themenbereich 1: Ingrid Gogolin (Hamburg)
Themenbereich 2: Raphael Berthele (Fribourg/Freiburg, CH)
Themenbereich 3: Stephanie Risse (Bozen/Bolzano)

Denkinsel/Zukunftsgespräch (ca. 60 Minuten)

Präsentation der Ergebnisse (ca. 30 Minuten)


Podiumsdiskussion „Quo vadis DaF?“

16:30 Uhr, HG A120


Quo Vadis Deutsch als Fremdsprache?

40 Jahre sind in der Menschheitsgeschichte bekanntlich keine nennenswerte Zeitspanne. Das Institut für Deutsch als Fremdsprache der LMU hat aber besonderen Anlass zum Feiern, hat es doch seit seiner Gründung 1978 den Auftrag, als außenbildungspolitischer Partner der Mittlerorganisationen und als Partner der Integration im Innern der Bundesrepublik, den wissenschaftlichen Unterbau für eine Sprach-Kultur-Wissenschaft zu erarbeiten, in der die Fremdperspektive im wissenschaftlichen Selbstverständnis und im Methodenapparat eine konstitutive Rolle spielen sollte. Diesem sowohl auf Grundlagenforschung als auch auf Anwendung ausgerichteten Wissenschaftsverständnis verpflichtet sich das Münchener DaF-Institut in seiner vollen Breite: Von der auch den Leser berücksichtigenden Interkulturellen Literaturwissenschaft, einer am Konzept der Transdifferenz orientierten Kulturforschung über eine funktionale und vergleichende Text- und Pragmalinguistik, der interdisziplinären Fach- und Wissenschaftssprachenlinguistik, der Mehrsprachigkeits- und Sprachkontaktforschung, der Sprachnormenforschung bis hin zur kognitions- und psycholinguistisch begründeten Spracherwerbs- und Sprachlehrforschung.

Ziel der Podiumsdiskussion im Rahmen der Jubiläumsfeier am 3. Mai 2019 ist es, eine Bestandsaufnahme in Bezug auf den internationalen Status des Fachclusters Deutsch als Fremdsprache/Deutsch als Zweitsprache und einen Blick auf seine zukünftigen Aufgaben und Potentiale zu wagen. Werden die Fächer dem wissenschaftlichen Grundlagenanspruch gerecht? Wie anschlussfähig an andere Fächer sind sie und wo liefern sie fächerübergreifende Impulse? Wie ertragreich ist die Partnerschaft mit den Mittlerorganisationen, wie mit den Bildungsinstitutionen im Inland? Für welche Aufgaben sind sie prädestiniert, welche ignorieren sie bisher?

Zu diesem Diskurs über die Leistungen und Perspektiven der Fächer DaF/DaZ sind namhafte Vertreterinnen und Vertreter der wichtigsten Partnerorganisationen des Instituts für DaF der LMU eingeladen.

Dazu gehören die Generalsekretärin des DAAD, Dr. Dorothea Rüland, der Generalsekretär des Goethe Instituts, Johannes Ebert (angefragt), Dr. Robert Geiger Ministerialrat, Leiter der Stabsstelle Flüchtlingsintegration im Bildungsbereich, Leiter Ref. VI.1 der Abteilung Berufliche Schulen, Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus , Heike Toledo, Leiterin der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen und Prof. Dr. Marianne Hepp, Präsidentin des Internationalen Deutschlehrerverbandes.

Von Seiten des Instituts nehmen Prof. Dr. Claudia Riehl und Prof. Dr. Jörg Roche an der Podiumsdiskussion teil. Moderiert wird sie von Dr. Achim Althaus, Geschäftsführer der Gesellschaft für Akademische Studienvorbereitung und Testentwicklung (gast e.V.).

Festveranstaltung zum 40-jährigen Jubiläum des Instituts für
Deutsch als Fremdsprache der LMU

18:00 Uhr, Große Aula

mit Grußworten von
Bernd Sibler, Staatsminister für Wissenschaft und Kunst
Prof. Dr. Hans van Ess, Vizepräsident für den Bereich Internationales
Prof. Dr. Beate Kellner, Dekanin der Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Harald Weinrich

Prof. Dr. Dr. h.c. Konrad Ehlich wird einen Festvortrag zum Thema „40 Jahre DaF - was an der Zeit war, was an der Zeit ist“ halten.
Auch werden wir einen Festvortrag von Frau Prof. Dr. Gesine Schiewer, Universität Bayreuth, zum Thema „Philologische Rationalität, Pluralität. Neue Perspektiven der Fremdsprachenforschung“ hören

sowie musikalischen Einlagen von Susanne Katharina Pemmerl in Begleitung von Julia Wenzel.

Im Anschluss an die Festveranstaltung lädt das Institut für Deutsch als Fremdsprache zu Stehempfang und Gedankenaustausch im Lichthof der LMU ein. Musikalische Begleitung: Jisr.

Im Lichthof findet ebenfalls eine Ausstellung zu Forschungs- und Entwicklungsprojekten sowie Publikationen des DAF-Instituts und eine Verlagsausstellung statt.

Um Anmeldung bis zum 1. April 2019 wird gebeten: 40-JahreDaF@lmu.de

Bei Interesse an einem oder beiden Workshops, melden Sie sich bitte bis zum 15. April per Mail unter institut@daf.lmu.de an.


Die Jubiläumsveranstaltung wird dankenswerter Weise untersützt von 

Gesellschaft für Akademische Studienvorbereitung und Testentwicklung e. V.
TestDaF-Institut

Münchener Universitätsgesellschaft Gesellschaft von Freunden und Förderern der Ludwig-Maximilians-Universität München e.V.

Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG

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Walter de Gruyter GmbH

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