Institut für Deutsch als Fremdsprache
print

Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

IVG Palermo 2020: Deutsch-Florentiner

06.06.2018

CfP: XIV. Kongress der Internat. Vereinigung für Germanistik (IVG), Palermo 26.7. – 2.8. 2020, Sektion 34: Deutsch-Florentiner. Florenz als Austauschbühne zwischen Risorgimento und Gründerzeit

„Fremde Eingeborene“ nennt Herman Grimm jene „Species“ von Autorinnen und Autoren, die Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts Florenz zur geistigen Austauschbühne wählten, Melancholiker und Epigonen, darunter auch ehemalige Revolutionäre, nicht bereit, der „Vergeudung des Schönen zugunsten angeblicher Entwicklung“ (Gert Mattenklott) Vorschub zu leisten. Im Medium der kleinen Form, Essays, Novellen, Lebensbildern, in Übersetzungen und journalistischen Arbeiten suchten sie Italien den Deutschen und Deutschland den Italienern nahezubringen. Diese sprachlich gediegenen, anspruchsvollen Schriften sind heute
weitgehend vergessen.

Mit dem Verblassen der Winckelmann-Goethe-Tradition trat Rom, großen baulichen Veränderungen unterworfen und 1871 zur Hauptstadt geworden, im deutschen Italienbild zunehmend in den Hintergrund. Dafür gewann das bislang vor allem als Museumslandschaft und Station auf dem Weg nach Rom bedeutsame Florenz, befördert u.a. durch Jacob Burckhardts Die Kultur der Renaissance in Italien (1860), für Künstler und Gelehrte eine unmittelbare Gegenwartsdimension.

Die von einem melancholisch-epigonalen Grundton durchzogenen Schriften von Herman Grimm, Karl Hillebrand, Heinrich Homberger, Ludmilla Assing, Malwida von Meysenbug, Isolde Kurz und anderen eint der Versuch, Antworten auf autoritär-obrigkeitsstaatliche Entwicklungen zu finden. Das Risorgimento schien geeigneter, den deutschen Traum von einer politischen Zukunft romantischer Ideale zu nähren als die profane Gegenwart des Bismarckstaats. Dantes Florenz und Goethes Weimar, die italienische Renaissance und die deutsche Klassik bildeten die Leitsterne, an denen sich die Nationen erneuern sollten.

Die Literatur der Deutsch-Florentiner repräsentiert ein Kraftfeld von Enttäuschungen über die nationalstaatliche Realpolitik und Hoffnungen auf eine Erneuerung im Geiste der Renaissance. Dieser besonderen geistigen Konstellation möchten wir 2020 in Palermo im Rahmen unserer IVG-Sektion nachgehen.

Bitte senden Sie Ihre Themenvorschläge mit einem Kurzexposé (2.000 – 3.000 Zeichen) und biobibliographischen Angaben (500 Zeichen) an:
Dr. Rotraut Fischer, Univ. Darmstadt (nolte-fischer@arcor.de), Dr. Michael Ewert, LMU München (ewert@daf.lmu.de), Dr. Elena Giovannini, Univ. Bologna (elena.giovannini6@unibo.it).